2. Vollversammlung Weiterbildner
Berlin - 04. bis 06.04.2011
Ein Bericht von Hans-Dieter Dicke
Zu Beginn der Vollversammlung begrüßte Heinz Stark, der die Vollversammlung gemeinsam mit den Mitgliedern des Weiterbildungsausschusses (WBA) vorbereitet hatte, die ca 25 Anwesenden. Die DGfS Vorsitzende Barbara Innecken dankte anschließend den Organisatoren und den Mitgliedern des Weiterbildungsausschuss (WBA) für die Arbeit der vergangenen zwei Jahre. Den anwesenden Lehrtherapeuten dankte Barbara für deren Bereitschaft an der Veranstaltung teilzunehmen und Zeit und Geld dafür einzusetzen. Als Zeichen der Anerkennung dieses zeitlichen und materiellen Engagements seitens des Vereins wurden die Anwesenden zum gemeinsamen Abendessen eingeladen. Des Weiteren berichtete die Vorsitzende über aktuelle personelle Veränderungen in unserer DGfS sowie über inhaltliche Projekte des Vorstands.
Nach dem Amtsverzicht des vormaligen Sprechers des WBA, H. P. Milling im Januar 2011, hatte im Februar auch Almut Grosse-Parfuß ihr Amt niedergelegt. Leider haben auch die übrigen Mitglieder des WBA, Heinrich Breuer, Heinz Stark und Theresa Weißmüller-Hensel, erklärt, ihr Amt nicht weiter führen zu wollen. Die bisherige Sprecherin der Anerkennungskommission (AK), Margret Barth, hatte ebenfalls bereits im Vorfeld der Vollversammlung angekündigt, ihr lange Jahre intensiv geführtes Amt nicht weiterführen zu wollen. Erfreulicherweise hat sich Roland Schilling bereit erklärt, die Rolle des Sprechers der AK übernehmen zu wollen. Dieter Dicke wird ebenfalls weiterhin für die Arbeit in der AK zur Verfügung stehen.
Nach der Begrüßung und dem Bericht zum „Stand der Dinge“ in der DGfS durch Barbara Innecken gab es eine ausführliche Vorstellungsrunde der Anwesenden. Die positive Mitgliederentwicklung der DGfS zeigte sich auch in der Anwesenheit einiger neuerer TeilnehmerInnen der Vollversammlung. Anwesend war auch ein türkischer Kollege, der gemeinsam mit Kollegen das erste und bisher einzige Institut für Systemaufstellung sowie die Ausbildung von SystemaufstellerInnen in der Türkei gegründet hat.
Nach einer Kaffeepause sammelten die Anwesenden interessierende Themen zur Bearbeitung in den kommenden beiden Tagen. Der Ertrag dieses Brainstorming wurde später vom WBA in eine konkrete Tagesordnung eingearbeitet.
Den Abschluss und Höhepunkt der Arbeitsphase des ersten Tages der Vollversammlung bildete ein Vortrag von Jakob Schneider mit anschließender Diskussion zum Thema „Was können Stellvertreter leisten?“ (Siehe den entsprechenden Beitrag in der neuen Ausgabe unserer „Praxis der Systemaufstellungen“.) Darin entwickelt Jakob eine interessante Typologie unterscheidbaren Stellvertreterverhaltens in verschiedenen Aufstellungssettings. Die Anwesenden fühlten sich eingeladen, eigene Erfahrungen zur Verfügung zu stellen, sodass sich ein lebendiger Dialog entwickelte, der ein fruchtbares voneinander Lernen ermöglichte.
Zur guten kollegialen Kultur, die diejenigen, die schon länger dabei sind, schätzen und in die sich die neu Dazugehörigen schnell einbeziehen lassen, gehörte auch das gemeinsame Abendessen mit informellem Austausch.
Der zweite Konferenztag begann mit der Vorstellung der von Heinrich Breuer und Christopher Bodirsky erarbeiteten Erweiterungsvorschläge zu den Weiterbildungsrichtlinien der DGfS. Die schriftlich vorliegenden Änderungsvorschläge wurden anschließend in drei Untergruppen gelesen und diskutiert. Die Ergebnisse der Untergruppenarbeit wurden im anschließenden Plenum vorgestellt. Die anwesenden Vorstandsmitglieder notierten die Anmerkungen der KollegInnen und fassten deren Beiträge als wertvolle Anregung auf. Der Vorstand wird die weitere Überarbeitung der Weiterbildungsrichtlinien im Austausch mit dem noch neu zu wählenden WBA vorantreiben.
Die Vollversammlung formulierte folgende Voten:
- Die Anerkennungsvoraussetzungen für SystemaufstellerInnen sollen dahin gehend geändert werden, dass in Zukunft in der Regel nur noch von der DGfS anerkannte Weiterbildungen für die Qualifizierung als SystemaufstellerIn gewertet werden sollen. Allerdings sollen auch Ausnahmen hierzu möglich sein.
- Die Vollversammlung bittet den WBA und den Vorstand, eine gute gemeinsame Lösung hinsichtlich der Dreiteilung: anerkannte SystemaufstellerInnen / anerkannte LehrtherapeutInnen / anerkannte Weiterbildungen zu finden.
- Die Vollversammlung befürwortet es, den Weg neuer KollegInnen zur Anerkennung als Lehrtherapeuten so offenzuhalten, dass diese sich ermutigt fühlen, diese Qualifizierung anzustreben.
Der Nachmittag des zweiten Tages wurde mit einem Vortrag mit anschließender Demonstration des Kollegen Prof. Dr. Franz Ruppert eröffnet. Franz stellte ein von ihm entwickeltes neues Format „Aufstellung eines Anliegens“ in Theorie und Praxis vor. Die PPP zum Vortrag steht auf Franz Rupperts Website (http://www.franz-ruppert.de/) zum Download zur Verfügung.
Franz Ruppert stellte zunächst seine Sicht einer „mehrgenerationalen Psychotraumatologie“ vor. Sein, auf diesem Hintergrund entwickeltes, Format „Aufstellung eines Anliegens“ soll helfen, die Systemaufstellungen für die qualifizierte Arbeit mit traumatisierten Menschen noch kompatibler zu machen. Dass das von Franz vorgeschlagene Konzept nicht nur in der Theorie plausibel ist, demonstrierte er durch die Arbeit mit dem Anliegen einer Kollegin. Für seinen Beitrag erhielt Franz Ruppert von den KollegInnen dankbaren Applaus.
Auf der Tagesordnung stand danach die Wahl des neuen Weiterbildungsausschusses (WBA). Aus der Runde der noch gut 20 Anwesenden erklärte sich leider lediglich Theresa Koch aus Eckernförde bereit, sich als Sprecherin eines noch zu vervollständigenden WBA zur Verfügung zu stellen. Theresa Koch wurde dann auch einstimmig gewählt. Margret Barth, Thomas Hafer und Christopher Bodirsky erklärten sich bereit, Theresa bei der Einarbeitung ins Amt, insbesondere in die weitere Bearbeitung der Weiterbildungsrichtlinien, zu unterstützen. Auch die ehemaligen WBA-Mitglieder stellen auf Anfrage ihr Wissen gerne zur Verfügung. Dem Vorstand bleibt in Abstimmung mit Theresa Koch die Aufgabe, weitere, auch erfahrene, KollegInnen für den WBA zu gewinnen.
Zum Tagesabschluss stellte Dieter Dicke den KollegInnen mit Hilfe einer PPP die Deutsche Gesellschaft für Beratung (DGfB) vor. Ziel des Vortrags war es, die Möglichkeit einer Mitgliedschaft in der DGfB zu erklären und den Nutzen einer solchen Mitgliedschaft aufzuzeigen. Nach einer kurzen Diskussion wurde Dieter Dicke gebeten, weitere, noch notwendige, Informationen im Hinblick auf eine Mitgliedschaft in der DGfB zu recherchieren und diese dem WBA und dem Vorstand zur Verfügung zu stellen.
Da der Berichterstatter, Dieter Dicke, die Vollversammlung am Mittwochmorgen bereits verlassen musste, erklärte sich dankenswerterweise Thomas Hafer bereit, den letzen Tag der Vollversammlung zu protokollieren:
Barbara Innecken übergibt Urkunden mit dem Dank der DGfS an die scheidenden Mitglieder des Weiterbildungsausschusses Heinz Stark, Almut Große-Parfuss, Theresa Weißmüller-Hensel, Hans Peter Milling und Heinrich Breuer sowie an Margret Barth als scheidende Sprecherin der Anerkennungskommission . Zudem werden Rica Rechberg für ihre Arbeit in der Vorbereitung des DGfS-Kongresses 2012 (der ja leider nun ausfallen wird) sowie Heribert Döring-Meyer für die gelungene Veranstaltung der Regionaltagung Baden Württemberg gewürdigt.
Als Termin für die nächste Vollversammlung Weiterbildung wird der 8. bis 9. April 2013 vereinbart, wieder in Berlin, Montag 14h bis Dienstag 16 Uhr. Mit der Verkürzung auf zwei Tage soll die Wahrscheinlichkeit einer regen Teilnahme gefördert werden.
Zum Thema Mehrwertsteuer können Mitglieder ausführliche schriftliche Informationen per E-Mail von Christopher Bodirsky erbitten.
Zum Thema Ethik-Richtlinien hat die Vollversammlung einen Diskussions-und Meinungsbildungs-prozess begonnen. Christiane Lier stellt in einem kurzen Vortrag die Ethik-Richtlinien der DGSF, Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie, sowie die bisherigen Erfahrungen damit vor. In ihrem Vortrag sowie in der anschließenden Diskussion steht das Thema sexuelle Übergriffe zwischen Therapeuten und Klienten im Vordergrund. Die Diskussion zeigt, dass einerseits die Bedeutung des Themas gesehen wird, andererseits gerade wir in der Aufstellungsarbeit einen unserer Philosophie angemessenen eigenen Weg finden müssen. Gabriella Bellino erklärte sich bereit, gemeinsam mit Christiane Lier die Initiative zu einem ausführlichen Diskussionsprozess im gesamten Verband zu übernehmen. Möglicherweise kann dies auch ein Thema in Uslar sein.
Zum Thema Weiterbildungs-Nachfrage und Weiterbildungs-Markt wird eine recht ausführlich werdende Runde mit Berichten der einzelnen Institute veranstaltet. Das Bild ist recht unterschiedlich, einige Institute haben rege Nachfrage, andere kaum oder nur mit großen Werbe-Aufwendungen. Durch die Anerkennung der Weiterbildung haben einige Institute einzelne zusätzliche Interessenten gewonnen. Zunehmend entwickeln sich Kooperationen von Instituten.
Zum Thema Umfang unserer Weiterbildungen verbleibt nur noch sehr kurze Diskussionszeit. Mehrere Lehrtrainer sind der Meinung, dass zwei Jahre nur in bestimmten Fällen ausreichend sind, z. B. für bereits ausgebildete und erfahrene Therapeuten. Auf Dauer sollten vielleicht differenzierte Angebote, z. B. ein System aus Grundkurs und Aufbaukurs entwickelt werden. Auch im Zusammenhang mit einem eventuellen Beitritt zur Deutschen Gesellschaft für Beratung wird diese Frage noch diskutiert werden müssen.
Das Thema Supervision und Intervision kann nicht mehr diskutiert werden. Geklärt werden müsste, nach welchen Kriterien Weiterbildungsteilnehmer vor Abschluss und Erhalt des Zertifikates supervidiert und beurteilt werden. Margret Barth schlägt vor, dieses zu einem Schwerpunktthema der Vollversammlung 2013 zu machen. Dem stimmt die Vollversammlung zu.
Die Vollversammlung der Weiterbildner verlief in sehr guter, kooperativer und kollegialer Atmosphäre. Am Ende wünschten sich die Anwesenden im Jahr 2013 deutlich mehr KollegInnen zur nächsten Vollversammlung der Weiterbildner zu treffen. Diese Veranstaltung bietet allen anerkannten LehrtherapeutInnen und LehrtrainererInnen eine gute Möglichkeit, an der Entwicklung der Qualitätsstandards in der DGfS aktiv mitzuwirken.
Hans-Dieter Dicke
Mit nachfolgendem Link können Sie sich diesen Bericht im pdf-Format downloaden:
Bericht über die zweite Vollversammlung der Weiterbildne (April 2011)