Barbara Innecken anlässlich ihrer Wahl zur 1.Vorsitzenden der DGfS auf der Mitgliederversammlung der DGfS in Uslar 8.-10. März 2010
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Die DGfS hat für die nächsten zwei Jahre einen neuen Vorstand: das Leitungsgremium hat mich zur 1.Vorsitzenden gewählt, 1.Stellvertreter wurde Christopher Bodirsky, 2.Stellvertreterin Eva Liebau-Reuter, Schatzmeister Wilfried De Philipp.
Ich bin sehr froh, dass sich Christopher und Eva für den Schritt in den Vorstand entschlossen haben, ihnen ist der Abschied bzw. die Reduzierung ihres Engagements in ihren Regionalgruppen Nord und Hessen schon ein bisschen schwer gefallen!
Mit im Boot ist Gott sei Dank auch Wilfried De Philipp, der seit mehr als 10 Jahren als unser Schatzmeister und Geschäftsführer wirkt und über all die Jahre mit seinem enormen Engagement für Kontinuität in der DGfS gesorgt hat.
Ich danke den Mitgliedern des Leitungsgremiums für ihr Vertrauen und für ihre Stimme - bedanken möchte ich mich auch bei all denen, die mich auf dem Weg zur Kandidatur begleitet und unterstützt haben.
„Zeit für Wandlung“ hieß das Motto unseres Kongresses in Wuppertal 2009 – dieses Motto nahm Bezug auf die vielfältigen Wandlungen der Aufstellungsarbeit und unseres Verbandes in den letzten Jahren.
„Zeit für Wandlung“ drückt sich wohl auch in der Wahl meiner Person in den Vorstand aus: zum ersten Mal in der Geschichte der DGfS – und dazu gehört auch die Geschichte ihres Vorläufers, der IAG – übernimmt eine Frau die Leitung des Verbandes, eine Frau, die nicht mehr der „ersten Generation“ der Aufstellungsarbeit angehört.
Ich trete ein großes Erbe an … meine Vorgänger Gunthard Weber, Albrecht Mahr, Heinrich Breuer, Jakob Schneider und ihre Teams, denen wir alle sehr viel verdanken, waren direkte Schüler Bert Hellingers in der Entstehungszeit der Aufstellungsarbeit, sie waren Mitbegründer der „Septembergruppe“, der IAG und der DGfS.
Ich selber erinnere mich zwar noch an die Begegnung mit den ersten fotokopierten Skripten von Hellinger-Seminaren Anfang der achtziger Jahre und auch Berts Demonstrationen in den sich rasch füllenden Sälen habe ich oft besucht - den systematischen Teil meiner Ausbildung zur Systemaufstellerin habe ich aber bereits bei namhaften Vertretern der erwähnten „ersten Generation“ erhalten.
Selber seit dem Jahr 1999 als Aufstellerin aktiv, stehe ich nun also gemeinsam mit dem Vorstandsteam für die Generation der „Nachrückenden“ an der Spitze unseres Verbandes – eine Ehre, eine Aufgabe und eine Herausforderung für mich.
In welcher Phase der Entwicklung befinden wir uns derzeit in der Aufstellungsarbeit und in der DGfS?
Die Gründerphase, verbunden mit der dazu gehörigen Aufbruchsstimmung, Euphorie und auch einem gewissen „Hype“, ist definitiv vorbei, das wissen und spüren wir alle. Wir haben die Kinder- und Jugendzeit mit all ihren Geschenken und Wundern, aber auch den dazu gehörigen Irrungen und Wirrungen und dem Verlassen des Elternhauses hinter uns.
Wir mögen das in manchen Aspekten bedauern, aber wir werden nicht umhin können, uns der Entwicklung, sozusagen dem „Älter werden“ zu stellen.
Vor noch nicht allzu langer Zeit ins junge Erwachsenenalter eingetreten, hat die DGfS in den letzten Jahren bereits sehr aktiv und erfolgreich neue Aufgabenstellungen bewältigt:
Als berufsübergreifender Fachverband hat sie eine Phase der Professionalisierung und Konsolidierung eingeleitet. Sie hat sich für hohe fachliche Qualität und Verantwortungsbewusstsein in der Aufstellungsarbeit engagiert und hat transparente und überprüfbare Qualitätskriterien entwickelt. Sie bietet Interessenten Datenbanken mit gut ausgebildeten anerkannten Systemaufstellern (DGfS), Lehrtherapeuten/Lehrtrainern (DGfS) und Veranstaltern von Weiterbildungen in Systemaufstellungen (DGfS) an. Mit dem Vorstand und den verschiedenen Gremien, Ausschüssen und Regionalgruppen hat sich die DGfS eine Struktur gegeben, die gegenüber der „Indianerdemokratie“ aus der Anfangszeit durchaus einige Vorteile (manchmal aber auch Nachteile!) hat.
Dass bei diesen Bemühungen um Institutionalisierung der Geist der uns alle verbindenden Aufstellungsarbeit bewahrt bleibt und wir nicht versteinern oder verknöchern, gehört mit Sicherheit zu den Aufgaben des „Erwachsenwerdens“ unseres Verbandes!
Was kann ich nun sagen über meine Vorstellungen als Vorstand der DGfS?
Seit November 2008 als 2.Regionalsprecherin Bayern Süd im Leitungsgremium und seit Mai 2009 auch als 2.Stellvertreterin im Vorstand konnte ich ja Erfahrungen sammeln, wie die Zusammenarbeit in diesen Gremien funktioniert. Die Arbeit an der inhaltlichen Aktualisierung unserer Homepage gemeinsam mit dem Internetteam hat mir geholfen, Einblicke in die historische Entwicklung der Aufstellungsarbeit und der DGfS sowie in die momentane Zielorientierung unseres Verbandes zu bekommen.
Entscheidende Erfahrungen dieser Jahre waren für mich neben der sachlichen Orientierung die Atmosphäre und der Stil, in der die mitunter umfangreiche, größtenteils ehrenamtliche Arbeit in unserem Verband geleistet wird. Es war mir wichtig zu erleben, dass es immer wieder möglich ist, die Erkenntnisse, die wir durch unsere Aufstellungsarbeit gewinnen, auch in unserer Verbandsarbeit und im Umgang miteinander umzusetzen!
Unter der Leitung von Jakob Schneider, in Zusammenarbeit mit Hedy Leitner-Diehl, Wilfried De Philipp, allen Gremien, Ausschüssen, Komissionen und Teams sowie Euch allen als Gemeinschaft der Mitglieder haben wir ein Feld geschaffen, in dem diese positive Erfahrung möglich war.
Die genannten Erfahrungen verknüpfe ich mit meinen Vorstellungen für die nächste „Legislaturperiode“ unseres Verbandes. Bezogen auf die sachlich-fachliche Ebene hierzu ein paar Stichpunkte:
- Fortführung des bisher eingeschlagenen Weges der Qualitätssicherung unserer Arbeit. Erprobung der Weiterbildungsrichtlinien in der Praxis in enger Zusammenarbeit mit der Anerkennungskommission und dem Weiterbildungsausschuss. Anpassungen an die Erfordernisse, ohne die Qualitätskriterien zu verwässern.
- Unterstützung regionaler Aktivitäten und nationaler Veranstaltungen,
Suche nach einer zeitgemäßen Form für den DGfS Kongress. - Präsenz in der Öffentlichkeit durch eine informative und aktuelle Homepage, Erhöhung der Besucherfrequenz unserer Homepage durch geeignete Werbe- und technische Maßnahmen. Weiterführung der Datenbank für wissenschaftliche Studien, Errichtung einer Datenbank zur Erfassung der vorhandenen Fachliteratur, Suche nach einer Betreuung dieser Datenbanken.
- Vermehrte Mitgliederwerbung, um die Wirkung unseres Fachverbandes nach außen zu verstärken und weiterhin einen finanziellen Hintergrund für unsere Vorhaben auf nationaler und regionaler Ebene zu haben. Ein erster Schritt hierzu ist der neue DGfS Werbeflyer in türkis – wir bitten Euch alle, uns aktiv bei der Mitgliederwerbung zu unterstützen!
- Kooperation mit der ISCA sowie anderen Verbänden, Ausweitung der Vernetzung über den „systemisch-phänomenologischen Tellerrand“ hinaus.
- Hier auf der Mitgliederversammlung wurde der Wunsch nach mehr Transparenz der Aktivitäten des Vorstands, des Leitungsgremiums und der verschiedenen Ausschüsse geäußert – ein neuer E-Mail Newsletter soll dazu beitragen, diesen Wunsch zu erfüllen.
All diese Vorstellungen zu meiner Vorstandstätigkeit kann ich nicht alleine verwirklichen, sie würden Papiertiger bleiben ohne die Zusammenarbeit mit Euch, mit allen beteiligten Gremien und aktiv engagierten Mitgliedern. Für diese Zusammenarbeit ist es mir ein wichtiges Anliegen, dass wir uns weiterhin von gegenseitigem Respekt, Wertschätzung und einem Stil, der den Geist unserer Arbeit atmet, leiten lassen.
Von meiner Seite aus werde ich mich bemühen, die Bandbreite unseres Mitgliederspektrums zu berücksichtigen und unterschiedliche Positionen anzuhören. Ich werde mich bemühen, auf der Basis der Diskussionen und Beschlüsse im Leitungsgremium mit dem Vorstandsteam Lösungen und Entscheidungen zu finden, die nicht nur den berechtigten Anliegen einzelner entsprechen, sondern das Ganze im Auge behalten.
Damit diese Aufgabe immer wieder gelingen kann, brauche ich meinerseits Euer Vertrauen und Eure Unterstützung.
Barbara Innecken
Diese Rede können Sie mit nachfolgendem Link auch als pdf-downloaden:
Antrittsrede von Barbara Innecken

