Grafik mit einer Gruppe stilisierter Spielfiguren









Phänomenologie lebt:
Mitgliedertreffen der DGfS in Uslar
(8.-10. März 2010)

Wenn man nur beschreiben würde, was äußerlich passiert ist, würde man dem Treffen in Uslar nicht gerecht werden: Die Tagung der Mitglieder des Fachverbands "Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen", das alle zwei Jahre stattfindet, war wieder ein tiefgehendes Erlebnis für viele der Anwesenden. Es war auch eine Mitgliederversammlung, aber im Wesentlichen war es von Anfang bis Ende ein gemeinsamer Prozess, der von der Fähigkeit der Anwesenden getragen war, die Erfahrungen aus der eigenen Aufstellungsarbeit in einen kooperativen und wertfreien Umgang miteinander umzusetzen.

Dieter Dicke, der die Vorbereitung und Moderation übernommen hatte, äußerte als seine Überzeugung und Begründung für die offene Vorgehensweise: "Man kann Menschen nicht instruieren - sie machen eh was sie wollen -, man kann nur Vorschläge machen". So wurde selbst die jeweilige Tagesordnung von den Teilnehmern entwickelt. Es gab nur grobe Zeitvorgaben in der Vorplanung, die Themen erfolgten in gemeinsamer Abstimmung und in Orientierung am jeweiligen Diskussionsbedarf. Es war phänomenologische Arbeit in der Entwicklung des Tagesplans, was anstand, wurde bearbeitet, Überflüssiges weggelassen; die Gruppe nahm einen prozessualen Verlauf, den man sich vorher so nicht hätte vorstellen können.

Die Tagung war dann eine Kombination von Verbandsthemen, Workshops zu Neuerungen in der Aufstellungsarbeit und es war Raum für Experimente.

Zum ersten Thema, dem Verband, ist als Wichtigstes die Verabschiedung des alten Vorstandes und die Wahl eines neuen zu nennen. Jakob Schneider und Hedi Leitner-Diehl wurden unter Würdigung ihrer besonderen Verdienste entlassen. Barbara Innecken, Christopher Bodirsky und Eva Liebau-Reuter sind bereits im Amt und mit der Bewältigung der anstehenden Aufgaben befasst (und aus der Nähe zur Letztgenannten weiß ich, dass diese ganz schön umfangreich sind). Wilfried de Philipp bekam die Ehrenwürde als "Fels in der Brandung" zuerkannt, da er sich bereit erklärte, sein Amt als Geschäftsführer und Schatzmeister noch eine Periode weiter zu führen.

Die Richtlinien für die Anerkennung von Weiterbildungen waren für mich zunächst erstaunlich wenig Thema. Mir wurde nur klar, dass im Weiterbildungsausschuss die "Reibungspunkte" jetzt deutlicher werden und es noch einen Bedarf an Verbesserungen gibt. (Inzwischen weiß ich, dass auch hier von den entsprechenden Gremien intensiv gearbeitet wird.)

Ein weiteres Verbandsthema war, wer den nächsten Kongress ausrichtet und unter welchem Thema er stattfinden soll. Thomas Siefer trug seine Erfahrungen mit Wuppertal 2009 bei; eventuell wird Rica Rechberg den nächsten Kongress in Berlin ausrichten, Arbeitsthema: "Wann endlich ist der Krieg vorbei". Alternativ dazu war/ist auch Lisa Böhm mit dem Arbeitstitel "Spiritualität und Aufstellungsarbeit" im Gespräch.

Es gab einige kleine Workshops zu speziellen Aufstellungsthemen, u.a. folgende: Alfred Ramoda Austermann demonstrierte eindrücklich seine Erfahrungen mit dem Auftreten von Zwillings-Phänomenen in Aufstellungen. Einer der Teilnehmer, dessen Namen ich mir leider nicht gemerkt habe, zeigte in einer Demonstration eine verdeckte Aufstellung mit Steinen, kombiniert mit Visualisierung der Lösungsschritte, für die Einzelarbeit - eine sehr gelungene Neuentwicklung. Eva Liebau-Reuter, Alfred Austermann und Peter Warnke gaben einen Workshop zum geistigen Familienstellen und zum Einheitsbewußtsein.Es bildete sich eine Gruppe, die eine Aufstellung zur Situation der Mitgliederwerbung vorbereitete und durchführte. Daraus wurde eine verdeckte Aufstellung, die eine intensive Diskussion auslöste. Positives Ergebnis für mein Verständnis war eine neue Einschätzung der DGfS, als eines, gemessen an seiner gesellschaftlichen Bedeutung, relativ kleinen Fachverbands, der dennoch den Anspruch hat, die große Aufstellerszene mit ihren Verzweigungen und Verknüpfungen zu vertreten. Vielleicht entwickelt sich gerade über eine neue Verortung (Wo haben wir angefangen, wo stehen wir heute, wo wollen wir hin?) eine noch größere Anziehung auf potentielle Mitglieder.

Was mir in Uslar wieder bewusst wurde, ist die Aufgabenstellung dieses Verbandes, nämlich im Auge zu behalten und zu klären, was Aufstellungsarbeit im Wesentlichen ist und wo sie sich mit welchen Aufgaben in unserer Gesellschaft "in den Dienst stellen" kann. Und wenn ich das Treffen in  Uslar symptomatisch sehe, dann ist die viel gepriesene "phänomenologische Haltung" sehr lebendig und frisch und fordert den Mut, sich immer wieder auf das Neue, Unbekannte einzulassen - und festzustellen: Es trägt.

Franz Reuter

 

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